WWF-Projekte

Schutz für das grüne Herz Afrikas - Kamerun

Mensch und Natur

In Zentralafrika befindet sich das, nach dem Amazonasbecken, zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde.

Die Urbevölkerung dieser Region sind die Pygmäen, mit etwa 250000 Menschen, das größte, heute noch zum Teil als Jäger und Sammler lebende Naturvolk der Erde. Verschiedene Bantustämme begannen erst später sich am Rande des gewaltigen Kongo-Waldblocks anzusiedeln und lebten traditionell in einer Art Symbiose mit den Pygmäen. Die Bantu tauschten dabei Feldfrüchte gegen Wildfleisch und andere Waldprodukte ein.

Diese Rollenteilung ist aber heute weitgehend verschwunden. Zunehmend werden auch die Pygmäen seßhaft oder jagen im Auftrag der Bantu mit modernen Waffen. Leider hat diese Entwicklung viele negative Seiten. Ihrer sozialen und kulturellen Traditionen beraubt fristen viele Pygmäen ein Dasein im gesellschaftlichen Abseits am Rande von Bantu-Siedlungen. Ihre Abhängigkeit wird rücksichtslos ausgenutzt. Durch die Einwanderung von gebietsfremden Menschen wächst der Besiedelungsdruck und es kommt zur Übernutzung der natürlichen Ressourcen. Insbesondere die Wilderei nimmt immer besorgniserregendere Dimensionen an. Für den Naturschutz sind die Pygmäen unverzichtbare Partner. Ihr traditionelles Wissen über Tiere und Pflanzen des Regenwaldes ist immens.

Obwohl die Kongowälder weniger als 7 % der Landmasse Afrikas bedecken, beherbergen sie doch mehr als die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten des Kontinents. Während die meisten Regenwälder arm an größeren Tieren sind, kommen die Wälder des Kongobeckens am ehesten unserer Kindheitsvorstellung vom mit Großwild bevölkerten Urwald nah. Waldelefanten und Rotbüffel streifen durch das Dickicht. Zahlreiche Antilopenarten, vom über 200 kg schweren Bongo bis zu kleinen, zum Teil nur hasengroßen Duckern, leben hier. Kaum irgendwo gibt es mehr Affenarten, wobei die Menschenaffen Schimpanse und Gorilla besonders zu nennen sind. Auch die Vogelwelt ist mit Papageien, wie dem Graupapagei und verschiedenen Hornvögeln, reich vertreten.

Obwohl die Pflanzenwelt weniger vielfältig ist als in Amazonien oder Borneo, findet man hier immer noch 300 verschiedene Baumarten.

Die Bedrohung

Ähnlich wie auf Borneo, nimmt auch in Afrika der Holzeinschlag für den Export eine Schlüsselfunktion bei der Zerstörung des Waldes ein. Asiatische Länder wie Malaysia, deren eigene Holzvorkommen zusehends schwinden, drängen vermehrt in das Holzgeschäft und erwerben Konzessionen in den Wäldern des Kongobeckens. Von 1990 bis 1997 verzehnfachte sich das Volumen des aus dem Kongobecken nach Asien exportierten Holzes. Es gibt in Zentralafrika nur relativ wenig nutzbare Baumstämme pro Hektar, die gefällt werden. Daher sind kahlschlagartige Eingriffe, wie in Südostasien, eher selten. Aber die Straßen, die von den Holzfällern angelegt werden, öffnen den Wald erst für Siedler, die sich entlang der Pisten ansiedeln. Illegale Jäger erhalten einfachen Zugang zu ansonsten schwer zugänglichen Gebieten. Wildfleisch spielte schon immer eine große Rolle in der Ernährung der Bevölkerung. Aber die heutige kommerzielle Jagd, mit der die Märkte in den Städten versorgt werden, führt in vielen Gegenden zu einem starken Rückgang des Wildes. Auch seltene Arten, wie Elefanten, Gorillas und Schimpansen, werden nicht verschont. Ebenso trägt die Ausbeutung von Öl- und Mineralienvorkommen ihren Teil zur Bedrohung des Waldes bei. 4 Millionen Hektar Regenwald gehen insgesamt jährlich in Afrika verloren.

Hoffnung für den Regenwald Zentralafrikas

Glücklicherweise ist auch afrikanischen Regierungen die Bedeutung und zunehmende Bedrohung ihrer Wälder bewußt. Im März diesen Jahres fand daher in Kamerun eine internationale Konferenz statt, an der die Staatschefs von Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, Kongo-Brazzaville, Äquatorial-Guinea und Gabun teilnahmen.

In den letzten beiden Jahren wurden im Dreiländereck von Kamerun, Kongo-Brazzaville und der Zentralafrikanischen Republik verschiedene unabhängige, aber über die Grenzen hinweg zusammenhängende Reservate mit einer Gesamtfläche von über 10 000 qkm geschaffen. Auf der Konferenz in Yaoundé wurde vereinbart, bei der Verwaltung dieser Schutzgebiete stärker als bisher zusammenzuarbeiten. WWF-Deutschland ist z.Z vor allem in den zentralafrikanischen Reservaten Dzanga-Sangha und Dzanga-Ndoki, sowie dem angrenzenden, erst im letzten Jahr geschaffenem kamerunischen Schutzgebiet Lac Lobeke aktiv.

Eine kleine Sensation war der Beschluß, eine weitere grenzüberschreitende Naturschutzinitiative einzuleiten. Im Grenzgebiet von Gabun, Kamerun und Kongo-Brazzaville sollen bereits bestehende und neu zu schaffende Reservate mit einer Gesamtfläche von 35 000 qkm untereinander verbunden werden. Das ist mehr als die Fläche Belgiens! Hierdurch wird das wahrscheinlich größte, intakte Waldgebiet des Kongobeckens geschützt.

Für den WWF kommen diese Erfolge nicht aus heiterem Himmel. Seit Jahren drängte der WWF bei den verantwortlichen Regierungen darauf, mehr Regenwaldgebiete unter Schutz zu stellen. Umfangreiche Vorbereitungen und Planungen sind notwendig, bevor Erfolge, wie auf der Konferenz in Yaoundé, sichtbar werden.

Die Arbeit des WWF in Zentralafrika umfasst daneben zahlreiche weitere Maßnahmen: Nur über die gute Ausbildung und Ausrüstung der Wildhüter kann der Schutz der Reservate sichergestellt werden. Die illegale Jagd auf Menschenaffen und Waldelefanten wurde dadurch in den vom WWF betreuten Schutzgebieten der Zentralafrikanischen Republik bereits wirkungsvoll reduziert.

Die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung ist auch in Afrika ein entscheidender Faktor jeden Schutzkonzeptes. Dazu gehören Gesundheitsprogramme, die Aus- und Fortbildung von Lehrern und Dorfrepräsentanten, sowie die Förderung von Kleinunternehmen, die nachhaltig gewonnene Produkte aus dem Wald verkaufen. Auch die Förderung des umweltverträglichen Tourismus ist Teil der sogenannten "Naturschutz- und Entwicklungsprojekte" des WWF. So können im Dzanga-Sanghachutzgebiet in der ZAR Touristen von Beobachtungsplattformen die scheuen Bewohner des Waldes, wie Elefanten, Rotbüffel und Bongos, auf einer Lichtung beobachten. Es wird viel Wert auf die Beschäftigung der einheimischen Menschen gelegt.

Da die afrikanischen Länder nicht völlig auf die Einnahmen aus dem Holzeinschlag verzichten können, ist die Entwicklung nachhaltiger,d.h. naturverträglicher Bewirtschaftungsformen ein wichtiger Schwerpunkt für den WWF. Den Wald langfristig mit gleichmäßigen Erträgen zu bewirtschaften, statt ihn durch schnellen, auf maximalen Profit ausgerichteten Raubbau zu zerstören, muß das Ziel sein.

Unsere Reise in Kamerun führt durch drei bereits bestehende, bzw zur Ausweisung anstehende Reservate im Nordteil dieses Schutzgebietssystems: Das über 5000 qkm große Dja-Reservat wird auf drei Seiten von dem gleichnamigen Fluß begrenzt. Es besteht bereits seit langem und ist als Weltnaturerbe von der UNESCO anerkannt.Die Schutzgebiete Nki (1950 qkm) und Boumba-Bek (2330 qkm) wurden dagegen erst auf der Konferenz offiziell ausgewiesen.