WWF-Projekte

Schutz für den größten Regenwald Asiens - Borneo

In der Öffentlichkeit bekannt wurde die drittgrößte Insel der Erde in den letzten Jahren hauptsächlich durch die verheerenden Waldbrände von 1997 und 1998. Indonesische Regierungsangaben beziffern die von den Feuern zerstörte Fläche in Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel, auf 500 000 Hektar. Aktuelle Auswertungen von Satellitenaufnahmen beweisen jedoch, daß über 5 Millionen Hektar geschädigt wurden- eine Fläche größer als die Niederlande. Kaum jemand weiß, daß es trotzdem auf Borneo nach wie vor große, fast unberührte Regenwaldgebiete gibt. Indonesien ist nach Brasilien und dem Kongo ( Ex-Zaire), das Land mit der größten Regenwaldfläche. Im Nordosten Kalimantans, dem indonesischem Teil der Insel, liegt der Kayan-Mentarang Nationalpark.

Das erst 1996 als Nationalpark ausgewiesene Kayan-Mentarang Gebiet, ist der größte geschützte Regenwald des Landes, mit einer Fläche von 1,4 Millionen Hektar, was der Größe Schleswig-Holsteins entspricht. Schon diese Zahl läßt die Bedeutung des Nationalparks erahnen. Durch die großen Höhenunterschiede von 200 bis über 2500m über dem Meeresspiegel ergibt sich eine Fülle von unterschiedlichen Lebensräumen, mit jeweils unterschiedlicher Pflanzen- und Tierwelt.

Pflanzen- und Tierwelt

Kalimantan ist, nach Irian Jaya, die an biologischer Vielfalt reichste Region Indonesiens. Die verschiedenen Tropenwaldformationen Kalimantans beherbergen bspw. 15 000 Arten von Blütenpflanzen ( mehr als auf dem 40 mal größeren afrikanischen Kontinent). Etwa 35% aller Pflanzenarten sind endemisch, das heißt sie kommen nur hier vor und sonst nirgends auf der Welt. Der Reichtum an Säugetierarten (222 davon 44 endemisch) und Vogelarten (420 davon 37 endemisch) ist ebenfalls immens. Die Artenvielfalt an Fischen, Amphibien und Reptilien ist die höchste der gesamten Sunda-Region.

Die Regenwälder des Tieflandes beherbergen die meisten Pflanzen- und Tierarten.


Rafflesia-mit 1m Durchmesser die größte Blüte der Welt

Über 200 verschiedene Baumarten können hier auf nur einem Hektar vorkommen, mehr als in ganz Europa. Dagegen beherbergen die Wälder in den höheren Lagen zwar weniger Arten, von denen viele aber endemisch sind. Von den Tierarten, die hier ein letztes Refugium gefunden haben, ist das Sumatranashorn die spektakulärste und zugleich seltenste. Sein Horn erfährt seit jeher größte Wertschätzung in der traditionellen chinesischen Medizin. Daher haben auch hier im Kayan-Mentarang Gebiet allenfalls wenige Exemplare die intensive Verfolgung bis heute überlebt. Dagegen kommt der Banteng, eine mit leuchtend rotem Fell, attraktiv gefärbte Wildrindart mit Sicherheit noch vor. Unter den größeren Säugern wären noch Malaienbären, Nebelparder, Bartschweine und verschiedene Affenarten zu nennnen.


Bartschwein

Auch die Vogelwelt ist mit bisher bekannten 283 Arten sehr vielfältig. 35 davon kommen sogar nur hier vor. Am auffälligsten unter den gefiederten Bewohnern sind wohl die Hornvögel, die sich mit ihren mächtigen Schnäbeln von Früchten ernähren. Bei den Blütenpflanzen sind vor allem Kannenpflanzen zu nennen. Sie benötigen zu ihrer Ernährung Insekten, die sie in ihren großen Trichtern fangen. Allerdings sind vor allem unter den kleineren Tieren und Pflanzen des Parks noch längst nicht alle bekannt. Häufig werden noch neue Arten entdeckt.


Kannenpflanze

Die Dayak

Dennoch ist Kayan-Mentarang keine völlig unbewohnte Wildnis. Schon seit prähistorischen Zeiten leben hier Menschen, worauf u.a. steinerne Grabmale hinweisen. Die gegenwärtige Bevölkerung besteht aus etwa 15 000 Menschen, die mindestens 12 ethnischen Gruppen angehören. Diese unter dem Sammelbegriff Dayak bekannten Stämme betreiben Wanderfeldbau, indem sie Wälder auf den Berghängen roden und gemeinschaftlich Trockenreis anpflanzen. Gärten in unmittelbarer Nähe der Dörfer, versorgen die Menschen mit Süßkartoffeln, Maniok und anderen Feldfrüchten.. Die Dayak haben ein intensives Verhältnis zum Wald, der ihnen vieles liefert, was sie zum täglichen Leben benötigen. Seien es Wildfleisch, Fische, Baumaterialien oder Heilkräuter.


Penan-Jäger

Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, daß 213 Medizinalpflanzen als natürliche Apotheke genutzt werden. 62 wildwachsende Pflanzen werden für die Ernährung genutzt. Das hat eine besondere Bedeutung, wenn die Reisernte schlecht ausfällt. Das Sammeln mancher Waldprodukte, wie verschiedener Harze und Rattan, stellt seit jeher einen wichtigen Wirtschaftsfaktor da. Auf uralten Handelspfaden gelangte durch diesen Handel sogar chinesisches Porzellan in die abgelegensten, noch immer nur zu Fuß erreichbaren Dörfer. Ein besonders begehrtes Produkt ist beispielsweise Gaharu, das aromatisch riechende Holz des Adlerbaumes. Es findet Verwendung in der traditionellen chinesischen Medizin und als Grundlage für Räucherstäbchen und Riechessenzen. Für beste Qualitäten werden bis zu 500 US$/Kilo bezahlt. essbare Schwalbennester werden ebenfalls gesammelt und gelangen bis in in die Restaurants von Singapur oder Hongkong.

Bedrohung

Trotz seiner Größe ist auch Kayan-Mentarang kein ungefährdetes Paradies. Dabei geht die größte Bedrohung von den immer weiter voranschreitenden Holzgesellschaften aus. Schon jetzt reichen manche Einschlagsgebiete an die Grenzen des Nationalparks. Ohne wirksame Kontrollen wird auch das Reservat nicht verschont bleiben.

Falls vorhandene Straßenbaupläne der Regierung umgesetzt werden, muß mit massiven, neuen Veränderungen durch einwandernde Siedler und Plantagengesellschaften gerechnet werden. Mineralienvorkommen, u.a. Kohle locken Bergbaugesellschaften zur Ausbeutung, mit allen möglichen negativen Folgen. Wie erwähnt, spielt das Sammeln von Waldprodukten seit jeher eine große Rolle. Durch die zunehmende Beteiligung von außerhalb kommender Firmen ist aber bereits eine Übernutzung, z.B. von einigen Rattanarten eingetreten.

Was tut der WWF?

Um dieses einzigartige Gebiet zu schützen, hat der WWF zusammen mit indonesischen Behörden ein Programm entwickelt. Während vor noch nicht allzu langer Zeit konsequenter Naturschutz in der Regel bedeutete, die Menschen möglichst weitgehend aus einem Reservat zu verbannen, sieht dies der WWF heute ganz anders. Das Motto heißt inzwischen "Naturschutz mit und für Menschen". So soll auch in Kayan-Mentarang erreicht werden, daß ein langfristiges Nebeneinander der etwa 120 Dorfgemeinschaften mit der Natur des Regenwaldes möglich bleibt. Hierzu wird das Reservat in drei verschiedene Zonen unterteilt: Eine Kernzone in der jede kommerzielle Nutzung unterbleibt, eine traditionelle Landnutzungszone, in der die Bevölkerung ihre naturverträgliche Wirtschaftsweise fortführen kann und eine Pufferzone, wo gewisse intensivere Nutzungsmöglichkeiten, z.B im Reisanbau, erlaubt sind.

Diese Zonierung soll den Menschen aber nicht einfach "übergestülpt" werden. Daher wirken Vertreter der Dorfgemeinschaften schon bei den ökologischen Bestandsaufnahmen mit. Geeignete Personen werden zu Forschungsassistenten ausgebildet. Dadurch wird eine ideale Verbindung des reichen traditionellen Wissens über den Wald mit modernen Methoden erreicht. Die Bestandsaufnahmen, bei denen auch die bisherigen Nutzungsformen um die Dörfer kartiert werden, bilden die Grundlage für die Zonierung. Sind im Einzelfall unterschiedliche Meinungen vertreten, wird eine gemeinsame Lösung gesucht. So unspektakulär dies für uns klingen mag-die Beteiligung der Dayaks am Schutz des Parks markiert auch einen bemerkenswerten Zwischenerfolg für die Anerkennung ihrer traditionellen Landrechte. In einem Land in dem der Wald zum größten Teil unter dem Verfügungsrecht des Staates steht, erhalten die Bewohner der Region zum ersten Mal ein Dokument, daß ihre traditionellen Rechte und Besitzgrenzen festlegt und Teil des staatlich genehmigten Managementplanes sein wird.

Zur Zeit gibt es keine offizielle Nationalparkverwaltung vor Ort. Daher kommt der Lalut Birai Waldstation des WWF ganz besondere Bedeutung bei der Überwachung des Gebietes zu. Über Funk können die Mitarbeiter rasch über auftauchende Bedrohungen für den Park informieren. Um die weitere Erforschung und Kontrolle des riesigen Gebietes effizient zu gestalten, sind weitere Stationen geplant.